Sicher Motorrad fahren
 
Sicher Motorrad fahren

Fünf Regeln

Lange außen bleiben
Die meisten Motorradfahrer bevorzugen intuitiv die Kurveninnenseite. Alle ungeübten Biker gehen zu früh in die Kurve und machen dabei oft noch das Gas zu. Sehen Sie sich die folgende Grafik an. Dort zeigt die rote Linie die Linie eines "normalen" Fahrers, der sich dieser Regel nicht bewusst ist. Die markierte Stelle zeigt seinen Einlenkpunkt. Die Folge ist dann automatisch, dass der Fahrer sich gegen den Kurvenausgang hin im Gegenverkehr (oder bei einer Linkskurve im Straßengraben) wieder findet. Wählen Sie Ihre Route hingegen nach der grünen Linie, so ist alles "im grünen Bereich". Am Kurvenausgang haben Sie noch ausreichend Platz auf Ihrer Fahrspur.



Um eine Kurve mit genügend Sicherheitsreserven passieren zu können, ist die Einhaltung dieser Regel ein absolutes Muss: Lange außen bleiben, möglichst spät einlenken und den Scheitelpunkt möglichst weit zum Kurvenausgang verlegen! Das spätere Einlenken hat zudem den Vorteil, dass man weiter in die Kurve hineinblicken kann und so frühzeitig erkennt, wenn sich beispielsweise die Kurve im weiteren Verlauf zuzieht, also enger wird. Und: Da das spätere Einlenken gegen unsere Intuition geht, muss es immer wieder bewusst trainiert und geübt werden.
Eine Lenkaktion pro Kurve
In einer Kurve sollte, wenn möglich, nur noch mit kleinen Lenkbewegungen korrigiert werden. Jede Korrektur hat zur Folge, dass sich die Schräglage verändert. Wenn sich eine Kurve als enger herausstellt, bedeutet eine weitere Schräglage möglicherweise einen Sturz. Verschärft wird eine solche Situation, wenn man das Gas zumacht oder auch noch bremst.
So wenig Schräglage wie möglich
So wenig Schräglage wie möglich für die gefahrene Geschwindigkeit! Eine höhere Geschwindigkeit bedeutet aber nicht automatisch auch eine höhere Schräglage. Diese hängt auch stark davon ab, wie schnell Sie in die Kurve einlenken. Je schneller eingelenkt wird, desto weniger Schräglage wird benötigt. Das bedeutet in weiterer Folge ein Mehr an Sicherheit: Mehr Sicherheitsreserve, Motorrad liegt stabiler, mehr Bodenfreiheit, mehr Grip, höhere Geschwindigkeit möglich.
Bremsen in der Kurve
Die wenigsten Biker wissen, dass sich ein Motorrad in der Kurve beim Bremsen automatisch aufrichtet! Dadurch kommt es zwangsläufig zum Verlassen der gewählten Linie. Das führt dann oft zu noch stärkerem Bremsen, zu hektischen Lenkbewegungen und letztendlich meist zum Crash. Ungezählte Unfälle hätten vermieden werden können, wenn der Fahrer in so einer Situation statt - fast automatisch - die Bremse zu ziehen, lieber leicht beschleunigt und dabei die Schräglage - wenn nötig -angepasst hätte! Das klingt vielleicht etwas paradox, aber es ist so: Je höher die Kurvengeschwindigkeit, desto kleiner die Lenkbewegungen und der Radius. Natürlich nur im Bereich der physikalischen Grenzen. Beobachten Sie einmal ein F1-Rennen. Da bemerkt man an den Vorderrädern so gut wie keinen Lenkeinschlag, auch wenn relativ enge Kurven gefahren werden. Wenn Sie das Gefühl haben, dass es Sie aus der Kurve raus trägt und Sie betätigen die Bremse, stellt sich das Bike automatisch auf und Sie kommen noch weiter nach außen. Wird hingegen mit Gefühl Gas gegeben, so kann bei gleicher Schräglage ein kleinerer Radius gefahren werden und die Kurve ist meist zu schaffen.
Blicktechnik - Der Blick bestimmt die Fahrtrichtung
Diese Regel gilt hier wie oben beschrieben in gesteigerter Weise. Natürlich kann sich eine Kurve zuziehen, natürlich kann man sich mal bei der Kurveneinfahrt in der Geschwindigkeit vertan haben. Wer in einer solchen Gefahrensituation auf die Leitplanke starrt, wird zwangsläufig in sie rein fahren. Wer hingegen auf den Kurvenausgang schaut und sich darauf konzentriert, ihn auch zu erreichen, wird sich wundern, dass er es auch schaffen kann.
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