Sicher Motorrad fahren
 
Sicher Motorrad fahren

Bremsweg

Wie sinnvoll Geschwindigkeitsregelungen sind wird deutlich, wenn Sie sich mit dem Bremsweg auseinandersetzen. Der Volksmund spricht gerne vom Bremsweg, was aber nur die halbe Wahrheit trifft. Denn: Neben dem reinen Bremsweg kommt noch der Reaktionsweg hinzu, also die Strecke die zurückgelegt wird zwischen dem Erkennen einer Gefahr und dem tatsächlichen Bremsen. Deshalb muss korrekterweise vom Anhalteweg gesprochen werden, der die Summe aus Reaktionsweg und Bremsweg ist.

Anhalteweg = Reaktionsweg + Bremsweg

Ein geübter und ausgeschlafener Motorradfahrer hat etwa eine Reaktionszeit von einer Sekunde. Ein durchschnittliches Motorrad verzögert etwa 6 bis 10 Metern pro Sekunde in Abhängigkeit vom Fahrbahnbelag und der Bremslastverteilung zwischen Vorderrad- und Hinterradbremse. Wird beispielsweise nur die Vorderradbremse eingesetzt, hat ein Motorrad etwa eine Verzögerung von 6,5 Metern pro Sekunde. Die Hinterradbremse leistet sogar nur 4 Meter pro Sekunde. Eine optimale Bremswirkung von bis zu 10 Metern pro Sekunde erreichen geübte Fahrer nur bei einer optimalen Bremslastverteilung auf beide Räder. Mit diesen Werten kann dann der Anhalteweg berechnet werden. Nachfolgende Beispiele zeigen, wie der Brems- und der Anhalteweg je nach Geschwindigkeit zunehmen:

 Geschwindigkeit
 [km/h] 
 Verzögerung
 [m/s2
 Reaktionsweg
 [m] 
 Bremsweg
 [m] 
 Anhalteweg
 [m] 
 40   8   11,11   7,71   18,82 
 40   6,5   11,11   9,49   20,60 
 40   10   11,11   6,17   17,28 
 60   8   16,66   17,36   34,02 
 60   6,5   16,66   21,36   28,03 
 80   8   22,22   30,86   53,08 
 100   8   27,77   48,22   76 
 100   6,5   27,77   59,35   87,13 
 100   10   27,77   38,58   66,35 
Berechnet mit Hilfe des Bremswegrechners von http://www.internetratgeber-recht.de


Das bedeutet, dass sich bei Verdopplung der Geschwindigkeit der Bremsweg vervierfacht, der Anhalteweg verdreifacht! Wobei diese Werte nur in der Theorie oder bei einem Parkplatzversuch stimmen. Im realen Verkehr kommt noch dazu, dass die Reaktionszeit, die Umsetzungszeit, die Ansprechzeit, die so genannte Schwellzeit (des Bremssystems bis zum Aufbau der vollständigen Bremswirkung), die eigentliche Bremszeit und die Anhaltezeit hinzuzurechnen sind.

Fazit: Tempolimits haben ihre Berechtigung und sollten immer beachtet werden. Auch wer gerne und sicher zügig fährt, sollte immer nur so schnell unterwegs sein, wie er die Straße überblicken kann. Ist die Sicht durch Kurven, parkende Autos oder die Landschaft beeinträchtigt, muss auch die Geschwindigkeit entsprechend angepasst werden.

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